Ich könnte kotzen.
Und ja, der Titel entbehrt einer
gewissen Ironie. Darauf komme ich später zurück.
Zum Kotzen ist gerade einiges.
Da wäre die Tatsache, dass am Samstag
Abend ein Auftritt mit der Band ist, und Donnerstag wie immer Probe.
Aber scheinbar habe ich bei meinen neuen Verfügbarkeiten die
Donnerstagsprobe vergessen einzutragen und einen Schichtwunsch
bezüglich Samstag habe ich auch vergessen. Dementsprechend bin ich
jetzt für beide Termine eingeteilt. YEAH! C. tötet mich.
Zum Kotzen ist auch, dass ich hier auf
Seminar bin und wir eigentlich kostenloses WLAN haben sollten. Tja.
Mein Laptop ist sogar verbunden. Aber anmelden kann ich mich nicht,
da zickt er, und deshalb hab ich trotz Verbindung nun kein Internet.
YEAH!
Was mich grade wiederum etwas dabei
stört, Ersatzleute für meine Arbeitsschichten zu finden, die ich
nicht machen kann. Muss ich jetzt via Handy machen, was echt große
Kacke ist. Aber vermutlich weniger groß als ich mich gerade einfach
drüber aufrege, weil mich gerade vieles aufregt.
Da wäre nämlich auch noch, dass L.
seit Freitag Abend mit Posten dran ist. Heute ist Montag wohlgemerkt.
Aber ich hab auch generell nicht das Gefühl, dass das was bringt.
Das Posten. Im Grunde liest es vermutlich eh nur L. und ich passe
auf, dass ich nichts allzu Schlimmes poste. Und wenn ich sie mit was
schocke, fragt sie wieder nach, wann ich zum Psychiater gehe, wie ich
mal gesagt hab. Aber das will ich gar nicht. Ich fühle mich
beschissen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich krank bin. Ich
weiß es bei bestem Willen nicht anders als mit der Matrix zu
beschreiben. Ich fühle mich, als wäre ich aufgewacht. Als wäre ich
scheinbar die Einzige, die die beschissene Hässlichkeit der Welt –
wenn eine solche überhaupt existiert – und den kompletten Unsinn
des Daseins erkennt. Und ich habe nicht das Verlangen, eine Therapie
zu machen. Tabletten zu nehmen. Ich will nicht zurück in die
Scheinwelt. Und diese Scheinwelt ist, wenn ich das mal sagen darf,
eine ganz beschissene. Sie hätte ja wenigstens pink, plüschig und
eine heile Welt sein können. Nein, sie muss ein elender Scheißhaufen
sein..
Worauf ich also hinaus will, ist, dass
ich so etwas nie posten könnte, ohne L. damit Angst einzujagen oder
zu erschrecken. Weil sie mich einfach nicht versteht. Nicht verstehen
kann.
Ich kann genauso wenig frei posten,
welche Gedanken ich mir gerade mache.
Dass ich heute stolz sein kann, trotz
unter Leuten zu sein, fast mein ganzes Essen auskotzen gekonnt zu
haben.
Dass ich überlege, mich sterilisieren
zu lassen, weil ich kein Kind in mein verkorkstes Leben mit
reinziehen will.
Dass ich wissen will, wie sich
ungeschützter Geschlechtsverkehr anfühlt. Wie es sich anfühlt,
wenn jemand ohne Kondom in mir kommt.
Dass ich mich wirklich ziemlich oft
ziemlich scheiße finde.
Dass ich nicht plane, mein Leben zu
ehren oder auf mich zu achten und so einen Scheiß.
Dass ich wohl nicht alt werden werde.
Ich hatte deswegen schon länger
Bedenken. Ob das mit dem Posten eine gute Idee ist. Und an guten
Tagen, ist es das vielleicht. Aber es geht ja um die schlechten Tage.
Die gerade wieder zunehmen.
Und genau genommen heißt „gut“
auch nur „abgelenkt genug, um nicht darüber nachzudenken“.
Und gerade fühle ich mich einfach
nicht gut. Ich möchte mich ins Bett einrollen und nie wieder
aufstehen. Ich möchte mit niemandem reden, niemandem erklären
müssen, niemandem Rede und Antwort stehen müssen, ich möchte
einfach nur liegen bleiben. Schlafen, Sterben, Wasauchimmer.
Ich bin damit wieder an dem Punkt, an
dem ich mit niemanden darüber sprechen kann. Ich kann mich niemandem
anvertrauen, der mich nicht kennt, der das nicht versteht. Ich kann
mich aber auch niemandem anvertrauen, der mich kennt, weil sie es
nicht verstehen können und es ihnen Angst macht. Und ich will ihnen
keine Angst machen.
Ich brauche jemandem, dem es genauso
geht wie mir. Jemanden, der mich versteht. Dem ich keine Angst mache.
Der mich nicht verurteilt. (Und ich habe bei L. des öfteren
inzwischen das Gefühl, dass sie das tut. Mich verurteilen. Weil sie
es nicht versteht. Nicht verstehen kann.)
Ich fühle mich allein.
Ich denke wieder viel über Suizid
nach.
F. will sich wieder mit mir treffen.
Zumindest hat er das gesagt. Dass er es noch einmal probieren will
mit Daten etc. Wirklich was raus gekommen, von wegen ein Date, ist
noch nicht bisher. Man darf gespannt sein.
Mit ein paar anderen Kerlen aus Finya
gibt es auch Fortschritte in Richtung Date. Auch hier bin ich
gespannt.
Ich stell mir gerne vor, dass einer
davon mein Ritter ist. Der mich rettet. Das Fräulein in Not. So ganz
aus dem Kopf bekomme ich das Bild wohl nicht mehr. Ich würde gerne
sagen, dass ich die Hoffnung darauf aufgegeben habe, aber das wäre
gelogen. Ich wünschte es mir aber. Weil es einfach Unsinn ist, sich
so etwas einzureden. Weil es Blödsinn wäre, wenn jemand anderes für
MEIN Lebensglück – haha - verantwortlich wäre. Jetzt rede ich
schon wie meine Mum, aber ich finde das wenigstens schlüssig.
Und ich bin für meine wenigen
Lebensjahre schon recht oft auf die Fresse geflogen mit diesem
Wunsch. Weil ich mich direkt in alles positiv hineinsteigere. Dann
bin ich ein positives Extrem, bis auffällt, dass die Person
gegenüber nicht mal ansatzweise so denkt/ fühlt/ wasauchimmer. Dann
werde ich zum negativen Extrem. Immer das Extreme.
Himmelhochjauchzend. Zu Tode betrübt.
Und ich kann verstehen, dass sich kein
Kerl in mich verliebt. Ich kann es wirklich verstehen. Ich finde mich
äußerlich nicht attraktiv. Fett. Schildkrötenhals. Omahände.
Warze. Eine Nase, die vom kindlichen Popeln geprägt ist.
Abgeknabberte Fingernagelhaut. Eingebissene Lippen. Fetter Bauch.
Fette Schenkel. Wabbel. Alles schön in käseweiß. Ungleiche Brüste.
Pickel. Hautveränderungen. Von den Allergien. Inzwischen wohl auch
vom Kotzen um den Mund herum. Ein Wal in Käsesoße getunkt. Mit
Krokantstreuseln. Die finde ich an mir wohl noch am Schönsten. Meine
Sommersprossen.
Dazu kommt meine nicht sonderlich
schillernde Persönlichkeit, wenn man das so nennen kann. Ich habe
selten eine wirkliche eigene Meinung. Und dann ändere ich sie
dauernd. Ich frage immer erst nach, was meine Freunde zu einem Thema
denken und meinen, bevor ich mich äußere. Ich bin nicht gerne ich,
denke ich. Weil ich Angst habe, nicht genug zu sein. Weil ich Angst
habe, man könnte mich nicht mögen. Und ich weiß immer noch nicht,
wer ich denn bin. Ich verstecke mein Ich und weiß selbst noch gar
nicht, wie es aussieht.
Hässlich vermutlich. So wie ich mich
fühle.
Na klar verliebt sich da keiner in
mich. Von wegen man muss sich selbst lieben, erst dann kann man
geliebt werden. Dann kann ich mich ja gleich umbringen.
Oder war's, dann erst kann man andere
lieben? Vielleicht liebe ich wirklich niemanden. Ich mag alle, aber
lieben? Ich denke, ich fange schnell an zu lieben. Aber vielleicht
ist das auch eine egoistische Art der Zuneigung. Vielleicht ist das
ja gar keine Liebe. Was weiß ich.
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