Mittwoch, 21. August 2013

Wünsche.

Jemand aus meinem Umkreis hat Magersucht. Hat Magersucht. Das klingt komisch, finde ich. Die Person ist inzwischen sogar in einer Klinik, weil sie zu lange nichts gegessen hat.
Ich weiß, es ist nichts sonderlich Gutes, aber irgendwie bewundere ich sie.
Ich bewundere sie für ihre Disziplin. Auch wenn das bei richtiger Magersucht vermutlich nichts mit Disziplin zu tun hat.

Es gibt momentan nur wenige Tage, an denen ich mich nicht dick, fett und/ oder häßlich finde.
Ich höre "die Fette" und weiß, ich bin gemeint. Oder ich gehe zumindest davon aus. Von wem sollte auch sonst die Rede sein?
Ich weiß, jeder fühlt sich mal nicht hübsch und so weiter, aber das ist grade eine sehr lange Phase des Häßlichfühlens. Und in einem blöden Moment habe ich tatsächlich etwas Blödes getan. Natürlich in der Hoffnung, mein Selbstbild mit der richtigen Antwort aufzubessern. Aber ich bin nunmal nicht hübsch. Ich bin fickbar. Das Attribut "gut" macht es nicht weniger vernichtend. Ich bin gut fürs Ficken. Ich bin ja auch einfach zu haben. Und fertig. Ich bin häßlich, aber wenn niemand sonst da ist, kann man mich schon mal vögeln.

Ich wünschte wirklich, ich könnte das mit dem Hungern einfach so durchziehen. Ich wünschte generell, ich könnte vieles einfach so durchziehen.
Aber da ist diese Stimme in mir, die mich auslacht. Die mir sagt, dass ich das eh nicht packe. Weil ich nichts packe. Weil ich zu faul bin. Weil ich zu doof bin. Weil ich zu inkonsequent bin. Weil ich einfach nichts kann. Und ja, auch wenn ich mich echt davor in Acht nehme, für alles meinen Eltern und meiner achso verkorksten Kindheit -naja- die Schuld zu geben, hört sich diese Stimme schon verdammt nach meinem Vater an.
Ich halte mich ja eh nicht an Abmachungen.
Ich zieh die Diät ja eh nicht durch.
Ich schaff es ja eh nicht, die Kisten für den Umzug rechtzeitig zu packen.
Ich kümmer mich ja eh nicht drum.
Ich werd mich ja eh nicht hinsetzen und lernen.
Ich zieh ja eh nichts durch.

Vielleicht hab ich deshalb aufgegeben, es zu versuchen.
Ich weiß, ich weiß...eigene Entscheidung, blablabla.
Aber seien wir mal ehrlich.
Wieso sollte ich noch irgendwas versuchen, wenn von mir schon erwartet wird, dass ich scheitere?
Vielleicht zieh ichs ja diesmal durch.
Das hab ich mir schon so oft gesagt.
Aber dann wird mir wieder klar, ich schaffs ja eh nicht. Also lass ichs.
Gerade beim Essen. Sobald ich den Entschluss gefasst habe, heute mal nichts mehr zu essen, fang ich eine Fressorgie an.
Und mit jedem Mal Scheitern vergrößert sich die Angst, es zu versuchen. Die Trotzhaltung. Dann brauch ichs auch erst gar nicht probieren. Und jedes Mal ist da diese Stimme, die mich auslacht. Haha. Wieder nicht geschafft, du Lusche. War ja klar. Inzwischen brauch ich nicht mal jemanden von außen, der mir das sagt. Das kann ich auch allein. Danke.

Vielleicht. Vielleicht bin ich diesmal stark genug. Es wäre aber jedenfalls mal schön, wenn mich sowohl andere Menschen als auch diese Stimme, falls ich es doch nicht schaffe, mal in Ruhe ließen...

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